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EPMD in da house!

Die Altmeister aus Brentwood, New York zu Gast bei uns im exklusiven Interview! Wir sprachen über die Vergangenheit, die Gegenwart und künftiges!

Foto: EPMD

hiphopjudge: Nach einem ersten erfolglosen Versuch hat es dann geklappt. Gut so, schließlich bekommt man die Legenden Erick Sermon und Parish Smith nicht jeden Tag zum Interviewtermin. Und an Ericks 40. Geburtstag schon gar nicht ;-)

Ersteinmal happy birthday Erick! Fangen wir mit den guten alten Tagen an. Erzählt doch mal etwas über die Entstehung der Hit Squad, über euer damaliges Umfeld. Wie hat alles angefangen?


Parish: Back in the days, me and Erick always loved hip hop. "Rap Attack" war zur damaligen Zeit ganz gross und wir wollten da unbedingt reinkommen. (Anm. d. Red.: Rap Attack war die legendäre Radioshow von Mr. Magic, diese ging 1983 on air und war die erste Hip Hop Radioshow auf einer Major-Radiostation). Wir sind damals nach Manhattan gegangen und haben alles versucht, um den Durchbruch zu schaffen. Wir sind mit unserem Demo durch die Stadt gezogen und fanden mit Sleepin Bag Rec. schließlich ein Label, das 1988 unser erstes Album "Strictly Business" herausbrachte. Damit war die Chance für uns gekommen. Von Long Island aus war das schon schwerer, währen Queens, Brooklyn und New York schon gut abgingen. Nach dem ersten Album und der Fronthouse Tour mit Jazzy Jeff und The Fresh Prince lief alles sehr gut für uns und wir haben dann die Hit Squad gegründet, mit Dax EFX, Redman, K-Solo und Keith Murray.


hiphopjudge: Hättet ihr euch damals vorstellen können, dass Hip Hop eines Tages so populär und so global werden könnte wie er heute ist?

Parish: Wir hatten schon immer davon geträumt, aber niemand konnte sich damals vorstellen, dass sich die Welt so stark verändern würde. Glücklicherweise haben wir mit unserer harten Arbeit in der Anfangszeit unserer Karierre einen wichtigen Teil dazu beigetragen. Vor allem der Crewgedanke und die Maxime, alles independent zu halten, ohne dem Crossover verfallen zu müssen.


hiphopjudge: Wie fühlt es sich an, zwanzig Jahre nach "Stictly Business" ein neues Album aufzunehmen? Inwieweit hat sich - wenn ihr zurückblickt - etwas Grundlegendes in eurer Arbeitsweise geändert?


Parish: Die Chemie zwischen mir und Erick hat schon immer gestimmt. Umso besser ist es natürlich, wenn man wieder zusammenkommt und ohne Probleme Musik machen kann. Es ist ein Segen für uns. Wir haben den gleichen Hunger wie damals, die Intensität ist auch die gleiche - bei jeder Show, bei jedem Song. Der einzige Unterschied zu damals ist, dass wir jetzt mit einem eigenen Label, EP Records, am Start sind. Wir haben einen eigenen Vertrieb, machen unser Artwork selbst usw.


hiphopjudge: Ihr hattet zahlreiche Top-Chartplatzierungen damals. Wenn man sich heute die Hitlist anschaut, dann sind - milde ausgedrückt - eher andere Künstlercharaktere gefragt. Ist es aus eurer Sicht heute noch möglich, bei jungen Hip Hop Hörern Interesse am EPMD-Sound zu wecken?

Parish: Ich glaube, wir können die jungen und die alten Cats ansprechen. Auch wenn die jüngeren Hörer unsere Musik nicht bzw. kaum kennen ist es doch so, dass namhafte Artists wie Jay Z, Nas oder Biggie unsere Oldschool-Dinger verwendet haben, so dass wir dadurch automatisch Zugang zu der Jugend haben. Das hat sich zum Beispiel auch auf den Rock the Bells Konzerten in Europa gezeigt. Da waren jung und alt am Durchdrehen, also wir auf die Bühne kamen.

EPMD #1

hiphopjudge: A propos "Rock the Bells". Leider habe ich euren Auftritt in Amsterdam um 30 Minuten verpasst, welches Gefühl war das, vor so einer Crowd in Europa zu stehen? Gibt es Unterschiede zwischen der Crowd in NYC und einer in Europa?

Erick: Also mir war klar, dass der Konzertsaal voll sein wird. Ich weiss genau, dass in Europa, speziell in Deutschland Hip Hop ganz gross ist. Von daher war mir klar, dass der Auftritt in Amsterdam der Hammer sein wird. Und wie Parish schon vorhin sagte, es waren sowohl junge als auch ältere Leute da. Die Altersklassen sind also verschieden, aber die Hip Hop Kultur ist nach wie vor dieselbe! Und für uns ist es auch kein Unterschied wo wir spielen. Ich bekomme zwar oft mit, dass viele andere Crews außerhalb der USA mehr Resonanz bekommen als hier in den Staaten. Wenn wir aber in New York rocken, dann brennen die nächsten drei Block (lacht), von daher kennen wir dieses Problem nicht.


hiphopjudge: Wenn man die Klassiker unter den Rap-Alben betrachtet fällt auf, dass in der Vergangenheit das Modell MC plus Produzent bzw. DJ allgegenwärtig war. Ich sage nur EPMD, Eric B & Rakim oder Gang Starr. Heute ist es meist umgekehrt. Jeder hat zig Producer auf dem Album. Glaubt ihr an die Renaissance des einstigen - und in meinen Augen erfolgsversprechenden -Modells?

Erick: Du hast absolut recht, die Tage sind vorbei. Jeder sucht heutzutage nach einem Hit. We make classic material. That`s the difference between them and us.


hiphopjudge: Angenommen EPMD wäre jetzt nochmal am Anfang der Karierre, sozusagen per Zeitmaschine in die heutige Zeit versetzt. Wie würdet ihr handeln?

Eric und Parish (einstimmig): Wir würden es genauso machen. Wir lieben es, unseren eigenen Sound zu haben!


hiphopjudge: Ich wünschte mehrere Artists würden nach dieser Maxime handeln. Schließlich macht doch der Sound die Gruppe auch zu dem was sie ist...

Eric (unterbricht energisch): Genau darum gehts doch! Wenn du eine CD aufmachst dann erwartest du die Gruppe nicht jemand anderen, oder? Das ist die Hauptsache!


hiphopjudge: Nachdem wir etwas über die Vergangenheit von EPMD gesprochen haben möchte ich nun über die Gegenwart sprechen, konkret über euer aktuelles Album. Erzählt uns etwas über den Entstehungsprozess und das Konzept eures siebten Albums...

Erick: Das Konzept ist das gleiche geblieben, wie bei den vorangegangenen Alben auch. Ich und Erick nehmen unsere Sachen wie damals auf. Same process, no pressure. Parish hat Leute wie KRS angerufen sowie Reakwon und natürlich sind Redman und Keith Murray drauf. Wir haben Teddy Riley draufgepackt, also lauter Klassiker. Und wie gesagt: das ganze läuft ohne jeglichen Druck ab, ohne einer bestimmten Erwartungshaltung. Wir haben einfach das gemacht, was wir fühlen.

Parish: Genau. Wenn du dir Songs anhörst wie "Crossover", dann weisst du wie wir die ganze Sache sehen. Wir haben schon immer Tracks gemacht, die unseren Standpunkt darlegen. Von der Aussenperspektive sozusagen.


hiphopjudge: Was dürfen wir auf dem neuen Album inhaltlich erwarten?

Parish: Das Album ist zwischen "Strictly Business" und "Business as usual" angesiedelt.

Erick: Ich denke dir Rhymes sind die gleichen. Ich sehe da keinen Unterschied zwischen früher und heute. Wir verspüren den gleichen Hunger wie damals. Reime schreiben mit zwanzig ist genau so wie Reime schreiben mit vierzig. Wir sind die einzige Gruppe von damals, die heute zurückkommt. Es gibt kein Konkurrenzdenken, schließlich battlen wir niemanden mehr. Also battlen wir uns gegenseitig...

EPMD #2


hiphopjudge: Du hast vorhin Leute wie KRS oder Reakwon angesprochen, alles alte Hasen im Geschäft mit Klassiker-Status. Gibt es denn auch Künstler, mit denen ihr in Zukunft zusammenarbeiten möchtet - insbesondere mit einigen neuen Cats?


Parish: Ja, es gibt einige Leute, die wir nicht draufhaben, mit denen wir aber auf dem kommenden Album zusammenarbeiten möchten.

Erick: ... ja, zum Beispiel Styles P, Jadakiss, Ghostface, Common.... Nas! Er kam auch auf uns zu und bot uns seine Zusammenarbeit an. Aber alles keine "neuen" Artists in dem Sinne. Ich kann auch ehrlich gesagt keinen neuen Künstler erkennen, der auf ein EPMD Album passen würde.


hiphopjudge: Es gibt viele Leute, die sich ständig über den Zustand des Hip Hop beklagen, jedoch nur wenige, die aktiv etwas zum Erhalt bzw. zum Wiederaufleben tun. Diese Leute sollten sich ein Beispiel an EPMD nehmen..

Erick: Exakt! We gotta stop complainin` and make records! Der Süden hat es vorgemacht. Du kannst dich nicht beschweren, wenn jemand seinen Job macht und nach vorne geht. Du kannst rumsitzen und dich beklagen und die Monate vergehen, die Jahre vergehen... und eines Tages kommen wir in die Situation, die wir heute vorfinden. Wie auf der Titanic..


hiphopjudge: Wir hatten vorhin kurz über euer eigenes Label, EP Records gesprochen. Ist der Pfad ausserhalb des Major-Dschungels das Business-Konzept für die Zukunft?

Erick: Zum Thema Independent... Alle großen Acts neben EPMD wie Eric B & Rakim, Biz Markie, Big Daddy Kane kommen aus der Independent-Schiene. Und der Trend geht geht wieder zurück zum Independent-Label. Das ist auch unser Weg, daher das eigene Label. Independent means do what you wanna do.


hiphopjudge: Welche Rolle wird das Internet bei der Vermarktung aus eurer Sicht in der Zukunft spielen?

Parish: ...und das Internet spielt eine immer größere Rolle. Immer mehr Händler machen dicht und damit wächst die Bedeutung des One on One Vertriebs. Ich sehe zum Beispiel, dass Nine Inch Nails sehr erfolgreich im Direktvertrieb über das Netz agieren. Der direkte Kontakt mit der eigenen Fanbase ist der größte Vorteil des Internets.


hiphopjudge: Auf jeden Fall. Zumindest wenn bereits eine breite Fanbase besteht. Kann aber ein noch unbekannter Künstler von diesem Vorteil profitieren?

Parish: Ja, weil es dir eine Plattform bietet. Früher musste man nach Manhattan, musste ein Label suchen, einen Vertrag bekommen. Du musstest um die halbe Welt fahren, um den Leuten klarzumachen, dass du ein Album am Start hast. Die Denkweise hat sich drastisch geändert. In Zeiten von Itunes und Paypal brauchst du keinen Mittelmann mehr. Es liegt alles an dir selbst.


hiphopjudge: Kommen wir zu den negativen Seiten... Könnte es nicht sein, dass aufgrund der Möglichkeit für jeden, alles Erdenkliche ins Netz zu stellen die Quantität auf die Qualität drückt?

Parish: Nein, denn ich denke es gab immer schon viel Musik, die man nie zu hören bekam. Und das Internet macht sie nun verfügbar, das finde ich eine sehr gute Sache. Natürlich besteht die Gefahr, dass zuviel online geht. Aber... Es kann doch sein, dass aus der Masse von Millionen Künstlern eine einzige Person dabei ist, der eine absolute Hitscheibe geschaffen hat. Das Netz gibt dir also die Möglichkeit, eine Platte zu hören, bevor du sie kaufst.


hiphopjudge: Von der Gegenwart in die Zukunft.. Wie sehen die Planungen für euer Label aus? Dürfen wir bald mit neuen Signings rechnen? Wie wärs mit einem Hit Squad/Def Squad-Album?

Parish: Momentan konzentrieren wir uns ganz klar auf uns selber, auf EPMD und EP Records. Wir möchten nicht, dass die Labelarbeit mit zu vielen Projekten verwaschen wird. Sobald unser Album läuft und auch das Label vorwärts kommt, werden wir sicher alle Leute, mit denen wir seit Jahren zusammenarbeiten auf ein gemeinsames Squad-Album packen. Auf jeden Fall.


hiphopjudge: Letzte Runde - Wordplay (Antworten: Parish)

Hip Hop: Life and freedom

EPMD:
Truth

Money: (überlegt lange) Root of all evil.... (nach einer Weile) No! Money is not the root of all evil. It`s the people handling it..

Politics: wow.... don' t mess with

Favorite movie: Juice

Germany: Real hip hop

Women: Balance in life (Erick bestätigt mit einem Schrei aus dem Hintergrund)

Favorite Food: Rice coated chicken



Aight, Danke für das Interview!



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Interview wurde geführt von:
sean@hiphopjudge.com

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