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Ein Gespräch mit Kopfsport...

Hiphopjudge.com im Interview mit der Augsburger Vorzeigeband Kopfsport über ihr seit April erhältliches Debütalbum "Hart Aber Herzlich", Musik als Selbsttherapie und viel anderen Gäckesmäckes.

Kopfsport Live auf der Bühne

HHJ: Stellt euch unseren Lesern mal kurz vor! Jeder mit seinen musikalischen Eigenheiten.
Daster: Meine musikalische Eigenheit ist, dass ich meine Strophen nüchtern nicht rappen kann. Ich steh auf Rap mit Herz, Seele und Verstand und hoffe auch den so zu machen, in der Form, mit meinem Kollegen, dem … (schaut zu Menace)

Menace: (verplant) Menace… und meine Rapeigenheit ist, dass ich gar keine hab.
DJ First Strike: Ich bin der beste BackUp-rappende DJ der Welt. (Gelächter)


HHJ: Ich habe ein bisschen rumgefragt, so in der Nachtclubszene, wer Kopfsport denn sei. Dann haben mir viele geantwortet, dass ihr wie der Blumentopf, nur von Augsburg, wärt. Was sagt ihr denn dazu?
Daster: Endlich mal jemand, der sagt, dass wir nicht die Firma sind!
Menace: Aber langsam grenzen wir das ganze ein: Von Firma über Blumentopf, über Freundeskreis, es ist irgendwie alles dabei.

Daster: Sag mer mal so, wenn jemand sagt, wie Blumentopf, dann adelt uns das, zumindest mal in Bezug auf Textinhalte: Dass es nicht einfach so dahinpläterschert und keine Sau zuhört.


HHJ: Was macht euch denn einzigartig?
Daster: Dass wir keine Ahnung vom Deutschrap der letzten 6-7 Jahre haben, und einfach das machen, wonach uns ist. Wenn’s den Leuten gefällt, umso besser!


Kopfsport 01



HHJ: Ihr werdet über Sony vertrieben. Wie kam’s denn dazu?

Menace: Es war so, dass wir irgendwann die Hoffnung aufgegeben hatten, dass sich irgendjemand dafür interessiert. Wir haben dann das Ganze erstmal in Eigenregie gemacht. Irgendwann kam dann unser Label (Anm. der Red.: Loop Department) an und hat gesagt: EEEEEEEEEEY, Sony hat gesagt, so, sie würden das machen! Dann war das halt so. Das hat uns allen viel Zeit, Nerven und  Geld gekostet im Nachhinein. (Lachen).

HHJ: Seid ihr denn zufrieden, mit dem was sie bieten?
DJ First Strike: Was bieten die denn? Rausschneiden! (Gelächter)

Menace: Nein, in erster Linie machen sie die Platte für alle erst mal zugänglich, wobei es am Anfang erst mal Startschwierigkeiten gab mit der Vertriebslogistik, dass es überhaupt erst einmal erhältlich war, obwohl es schon seit zwei Wochen erhältlich sein sollte.

Daster: Die bringen’s halt in den kompletten Handel, sie haben halt die Möglichkeiten, die die Kollegen als Indielabel oder –vertrieb so nicht hätten.

HHJ: Dann kommen wir auch schon zum Album selber, das ja wie gesagt seit 2 Wochen im Handel ist. „Hart aber herzlich“ heißt das gute Stück. Was heißt denn „hart“ für euch?
DJ First Strike: Trainieren mit Staiger!

Daster: „Hart“ ist im Endeffekt eher Themen, über die man schreibt und die man dadurch verarbeitet, die einfach zum Leben gehören. Es ist nicht einfach die musikalische Ghettoattitüde, dass man sagt, man macht hier einen auf Oberarmschwinger oder Harmlose-Leute-Verboxer. Das Leben ist hart genug! Wenn man drüber spricht, dann kann man das schon in den Titel mit reinnehmen. Es spricht aber nicht über die Art von Rap, die wir machen!
Menace: Hart ist nur die Glatze  vom Tom (Anmerkung d. Red.: Daster)…

DJ First Strike: …. die immer stärker wird!

HHJ: Ihr habt drei Remixe auf dem Album – ist euch denn mittendrin das Soundmaterial ausgegangen?
Menace: Das ist ne gute Frage, auf die wir kaum ne Antwort wissen… Aber das ist echt süß, machen wir ein Album mit zehn Tracks, dann fragt dich keine Sau, warum es nur 10 Tracks sind. Also ich persönlich steh auf Klassikeralben mit 10 Tracks und nicht auf 26-Tracks starke Scheißalben, wo man jeden 2. Song skippen muss. Aber sobald man drei Remixe dazupackt, dann wird man gefragt, warum.

DJ First Strike: …weil es am Anfang auch gar kein Album war!

Daster: Sagen wir’s so, vor ein paar Wochen war das Album noch ne Single…
DJ First Strike: Ja, dann war’s ne EP… und jetzt ist es so wie’s halt jetzt ist! All Killer No Filler!

HHJ: Es sind auch keine Features zu hören. War das beabsichtigt?
DJ First Strike: Uns mag halt keiner.

Menace: Ne, es hat mit Sicherheit einige Leute gegeben, die für uns interessant gewesen wären, aber das Ganze war wie gesagt so chaotisch im Entstehungsprozess und bis das dann klappt, gehen wieder 4 oder 5 Wochen ins Land, und wir wollten das Ding einfach raushauen. Am Schluss war’s dann einfach so, dass wir gesagt haben: So, ist ja cool, dann haben wir jetzt zumindest einmal ein Debütalbum gemacht ohne Features, und das ist auch gut so!

Daster: Wir haben gute Sachen in der Hinterhand, wo wir drauf Bock haben und die Leute drauf Bock haben, aber das kommt jetzt alles erst demnächst.


HHJ: Wer wäre denn euer Traumfeature?
Daster: Biggie…. Geht irgendwie leider nicht. Ruf seit zwei Jahren an und keine Sau geht ran!

DJ First Strike: Ich hab doch Biggie erst vor zwei Wochen im Kino gesehen… der lebt doch noch! 
Daster: Traumfeature… also so die Ecke die man bisher auch ab und zu erwähnt hat: Mannheim- und Ruhrpott-Ecke. Mnemonic, Donato… Pal! Da ist auch schon halbwegs was am „Ausgemacht-Sein“. Ansonsten noch ein paar Jungs aus der alten Zeit!

Kopfsport 02



HHJ: Habt ihr denn auch einen gemeinsam Lieblingstrack auf dem Album?
DJ First Strike: Whoa ne… wir haben momentan eher einen gemeinsamen Hasstrack! „Schiffsschaukel“ ist zum Beispiel unser gemeinsamer Live-Hasstrack! Den wollen wir alle nicht mehr spielen…


HHJ: … weil alle Frauen den lieben?
DJ First Strike: Weil wir vielleicht nie Frauen auf dem Konzert haben!

Menace: Mein Lieblingstrack ist „WWW“, der ist aber nicht drauf. Aber den gibt’s jetzt als kostenlosen Downloadtrack, auf Myspace oder Kopfsport.com.


HHJ: Welchen Track spielt ihr denn Live am liebsten? Warum?
Menace: „Hart aber herzlich“. Weil der Feuer unterm Arsch hat. Ne Schmarrn, weil der bumst.
Daster: Weil es einfach der erste Track ist, den wir mittlerweile im Schlaf machen. Da haben wir viel mehr Zeit und Spaß dran, anderen Gäckesmäckes nebenbei zu machen!


HHJ: Nochmal zurück: Ihr sagtet, dass das Album einfach irgendwie zusammengewürfelt worden wäre. Habt ihr denn gar keinen roten Faden verfolgt?
Menace: Also wenn’s was nicht gibt, dann einen roten Faden.
DJ First Strike: Es war kein Konzeptalbum, definitiv nicht! Eher eine Ansammlung von Songs, die über die Jahre entstanden sind.


HHJ: Welche Ziele habt ihr euch mit dem Album denn gesetzt?
Menace: Live spielen, viel live spielen! Wenn jemand Bock hat, uns zu sehen, einfach booken! Mir geht’s gar nicht so arg darum, dass die Leute das Album kaufen, noch mehr geht’s mir darum, dass es gefällt und dass viele Leute live bei uns da sind.


HHJ: Persönliche Ziele?
Daster: Möglichst viel herumkommen damit, viel verkaufen klingt natürlich scheiße, aber freut uns natürlich schon, wenn’s viel gekauft wird. Einfach auf ein Level zu kommen, wo’s cool ist, aber man das Maximum rausholen kann. Das Problem ist halt, einfach alles unter einen Hut zu bekommen, wir arbeiten ja ganz normal bzw. einer studiert ja noch. Leute zurück zu Rap holen, die eine gewisse Art von Rap schätzen, die Rap die letzten Jahre eigentlich nur in den Arsch getreten hat und ihnen gesagt hat, Leute wie dich will ich nicht.

Menace: Das ist echt krass, was wir hier machen, ist unglaubliche Selbsttherapie. Im Ernst, das was du grad gesagt hast! Rap hat mich die letzten Jahre nur angespuckt. Wenn ich’s nicht selber machen würde, den Sound, der mir taugt, dann hätte ich wahrscheinlich schon gar nichts mehr damit zu tun!


Kopfsport 03



 HHJ: Was wäre denn das beste Kompliment, was man euch machen könnte?
Daster: Das klingt oldschool und ihr rappt wie Ende der 90er. Damit kann man uns nicht fronten!


HHJ: Gibt es noch irgendwelche Formen von Support, abgesehen vom Albumkauf, die ihr euren Fans nahe legen wollt?
DJ First Strike: Ins Gästebuch schreiben! Uns spüren lassen, dass was geht.

Menace: Ich find’s nicht mal so wichtig, dass die Leute das Album kaufen. Natürlich ist das schön, aber wenn jemand nen Track feiert, ist mir wichtig, dass er es einfach weiterempfiehlt und Feedback gibt, einfach an der ganzen Sache teilnimmt! Früher gab es eine Riesenforen- und Gästebuchkultur. Mittlerweile hast du ne Platte raus, und im Endeffekt kriegst du’s nur live mit.


HHJ: Also findest du es nicht so schlimm, wenn die Leute das Album runterladen?
Menace: Ich sag’s mal so: Wenn du’s liebst, kauf es! Alles andere kann ich eh nicht verhindern, da bin ich relativ schmerzfrei. Wenn man was umsonst will, bekommt man es auch. Mir ist es dann lieber, die Leute laden es sich herunter, und sind dann dafür live voll mit dabei!

HHJ: Was sind denn eure Pläne für die Zukunft? Wollt ihr auf der gleichen Schiene bleiben?
DJ First Strike: Ich will ein Fußballstar werden!

Menace: Jetzt müssen wir erstmal schauen, das Album ist ja gerade erst neu herausgekommen. Wir werden weiter an Tracks bauen und viel live spielen. Ich halte wenig davon, zu sagen, unser nächstes Album klingt so und so und so. Im Endeffekt kommt’s ja sowieso anders als es eigentlich geplant war.

HHJ: Habt ihr Solopläne?
Daster: Momentan macht’s Spaß so wie es ist.

DJ First Strike: Wobei ich mir schon mal so ein Soloalbum von dem Herrn Daster vorstellen könnte. Er hätte sich das mal verdient!

Daster: Weil er sowieso den geringsten Output hat und es nie eintreffen wird. In der Zwischenzeit macht der Menace 3 Soloalben. Ne, aber was voll Spaß macht, grad für Live-Geschichten, ist ne Band mit 6 Leuten, die wir gerade am Start haben. Das gibt noch mal einiges mehr Druck. Ist halt mordsanstrengend momentan, alles vernünftig auf Instrumente zu schneidern und auf die Beine zu stellen. Macht aber, wie gesagt, sauviel Spaß. Da wird hoffentlich in Zukunft noch einiges passieren!


Dann mal weiter zum berühmt-berüchtigten Wortspiel:

Muttertagsgeschenk?
Daster: Meine Mutter hasst den Tag, deshalb keins.

Genmaisverbot?
Menace: Pro.

Bundestagswahl 2009?
Menace: Schwer.

NBA Playoffs 2009?
DJ FirstSrike: Wenn die Cavaliers drin sind, dann gewinnen die das wahrscheinlich.

Mein Star?
Menace: Er. (zeigt auf einen Jungen der gerade vom Fahrrad gefallen ist.) Weil er steht wieder auf!

Lieblingslied?
DJ First Strike: Momentan Pal One mit Ohne Dich, glaube ich.

Hip Hop in 10 Jahren?
DJ First Strike: Deltron 3030 anhören und dann noch mal drüber nachdenken!

Habt ihr sonst noch was auf dem Herzen?
Daster: Wir wünschen euch mit eurer Online-Plattform möglichst viele Leser und Feedback im Dschungel der Plattformen die es heutzutage gibt. Deshalb viel Glück an euch auf jeden Fall!


© Das Interview wurde geführt von Thy-Diep Ta

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